Othmar Betschart

... ist Mitglied der Trachtengruppe und Volkskundler aus Ibach, Schwyz. Er tanzte den Bödeler und war seinerzeit Tanzschenk an Tanzveranstaltungen. Es war der Tanzschenk, der den Tanz leitete. Es standen ihm einige Tanzschenkermaitli zur Verfügung, die er jenen Tänzern zuhielt, die den Freitanz ohne Begleitung besuchten. Betschart?s Onkel, allesamt Bauern, brauchten ein altes Wort für «in Wallung kommen» oder «sich ereifern»: «Er chund is Ghei» oder «is Ghäu». Wenn nun ein Bursche mit einem Mädchen tanzte, in Wallung kam und ihm zeigen wollte, was für ein prächtiger Kerl er sei, so nannte man diese Erweiterung des Bödelers «is Gäu cho» oder eben «gäuerlen». Othmar Betschart hat mehrere Artikel über die Entstehung des Bödälär/Gäuerler veröffentlicht. 


Othmar Betschart

 

«Der Tanz hat als solches keine Bedeutung, ausser dass er diese Kreisform hat. Die Kreisform bedeutet im weitesten Sinn: Sonne. Und Sonne bedeutet Leben.» 

«Ich kann mich erinnern, als Kind, es war Viehausstellung, im September ist immer Viehausstellung in Schwyz, und da gab’s mindestens an 5 Orten einen Tanzanlass, wo die Bauern nach der Ausstellung noch eins trinken gingen und getanzt haben und sich amüsiert haben. Da wurde auch 'gegäuerlet'. Wir gingen uns das anschauen, in einem kleinen Wirtshaus, und haben gesagt: Diese Muotathaler geben noch Gas! Das war echt 'gäuerlen', an die Wände hinauf schlagen, in diesen niederen Stuben mit der Faust an die Decke geschlagen, das nannten wir 'gäuerlen'.» 

«Ein richtiger 'Gäuerler' muss etwas Explosives in sich haben. Einfach auf die Bühne kommen und ein bisschen bödelen und klatschen, mag vielleicht gut sein aber das ist nicht gäuerlen. Und abgerundet ist es erst, wenn er sich entfaltet und Sprünge macht und alles Mögliche macht, das man sich kaum vorstellen kann, bei dem ein Fremder denkt, was machen die eigentlich.» 

«Unsere Alten hatten immer gesagt, es kommt einer ins Gäu, ins Ghei, wenn er so richtig in Schwung kam und nicht mehr wusste, wie er tun soll.» 

«Der 'Gäuerler' ist einfach zu beschreiben. Es ist ein Werbetanz. Es geht dem Mann darum, zu werben. Im 1. Teil, tanzt er mit der Partnerin, dann lässt er sie vor sich her drehen. Im 3. Teil lockt er sie heran. Sie tanzt vor ihm, kreiselt vor ihm, vielleicht auch um den Burschen herum. Wenn er dann richtig in Schwung kommt, dann kommt er eben in den 4. Teil, wo er richtig um sie wirbt, und wie ein Hahn um sie herumtanzt.» 

«Der 6. Januar ist ein alter Volksbrauch. In Schwyz sind nur die Männer mit einer Glocke bewaffnet, und ziehen durch das Dorf, machen dort einen Kreis, und gehen 3 Mal um den Brunnen herum. Es geht darum, die bösen Wintergeister aus dem Land hinaus zu vertreiben, mit der Glocke und mit der Geissel.»

Filmausschnitt Bödälä - Dance the rhythm 4
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